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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Donnerstag, 23.09.2021

Azubi ohne Ausbildung - Anspruch auf Lohn eines ungelernten Arbeitnehmers

Ein Auszubildender, der zwar formal einen Ausbildungsvertrag hat, aber nicht ausgebildet wird, hat für erbrachte Leistungen Anspruch auf den Lohn eines ungelernten Arbeitnehmers. So entschied das Arbeitsgericht Bonn (Az. 1 Ca 308/21).

Der Kläger hatte mit seinem Arbeitgeber einen Ausbildungsvertrag zum Gebäudereiniger abgeschlossen. Dafür war eine Vergütung von 775 Euro brutto monatlich vereinbart worden. Der Arbeitgeber meldete jedoch weder das Ausbildungsverhältnis bei der Innung noch den Kläger bei der Berufsschule an. Auch ein Ausbildungsplan war nicht erstellt worden. Tatsächlich war der junge Mann nur einmalig eingewiesen worden und hatte dann 39 Stunden pro Woche als Reinigungskraft gearbeitet.

Das Gericht entschied, dass dem Kläger statt der Ausbildungsvergütung das volle Tarifentgelt einer ungelernten Kraft zusteht. Bei einem Stundenlohn von damals zunächst 10,80 Euro und inzwischen 11,11 Euro in der 1. Lohngruppe des gültigen Rahmentarifvertrags wäre das mehr als das Doppelte der vereinbarten 775 Euro als Lehrling. Ein Azubi, der als Arbeitnehmer eingesetzt werde ohne ausgebildet zu werden, erbringe Leistungen, zu denen er laut Arbeitsvertrag nicht verpflichtet sei. Damit seien seine Leistungen nicht durch eine Ausbildungsvergütung abgegolten, sondern müssten in Höhe der üblichen Vergütung eines vergleichbaren Arbeitnehmers bezahlt werden.

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